Vom Transportmittel zum Sportschlitten ...

abgeschaut von indianischen Völkern

 

Bereits die Indianer Nordamerikas entwickelten Methoden, um in den schneereichen Wintern ihre Zelte und ihre Jagdbeute besser transportieren zu können. Sie banden mehrere Birkenäste oder größere Rindenstücke zu einer Plattform zusammen und formten das Holz oder die Rinde am einen Ende zu einem Bogen. Die Cree-Indianer nannten diesen Schlitten "otobanask", aus dem später das kanadische "toboggan" entstand.

 

Auch in anderen schneereichen Ländern, wie Russland, Schweden, Norwegen und der Schweiz wurden schon früh Fortbewegungsmittel gebaut, die das Vorwärtskommen im hohen Schnee erleichtern. Diese entwickelten sich jedoch in Richtung Hörnerschlitten und Rodel. Bei den Völkern galt der Schnee-Schlitten ausschließlich als Transportmittel und nicht als Sportgerät.

 

 
Erst bei den Coughnawaga-Indianern, die damals ihre Zelte in der Nähe von Ontario aufgeschlagen hatten, wurde das Schlittenfahren von den Kindern wie auch den Erwachsenen als eine Art Freizeitvergnügen betrieben.

 

Eine ähnliche Anlage wurde etwas später in Orange, New Jersey, vom Essex County Toboggan Club gebaut. Diese war etwa 300 Meter lang. Beide Bahnen wurden mit den flachen Kanadiern befahren.

 

Viel früher wurden in Europa solche Anlagen gebaut, aber hier verwendete man andere Schlitten und fuhr im Sitzen. In Petersburg war bereits 1777 eine solche Bahn, im Berliner Prinz-Albrecht-Park 1840 und im Berliner Bellevue-Park 1844. Aber in allen Fällen waren diese Schlittenfahrten nur zum Vergnügen, nie war ein sportlicher Gedanke dahinter verborgen. Dies änderte sich, als die Engländer auch im Winter die Schweizer Höhenkurorte besuchten.

 

Auch in der Schweiz kannte man bisher keine sportlichen Wettkämpfe. Die Davoser Kinder benötigten den Schlitten für die Fahrt in die Schule oder um an den freien Nachmittagen damit an den Hängen herumzutollen.Die weißen Einwanderer Kanadas schauten dies den kanadischen Indianern ab, nahmen Schlitten mit in den Kurort Davos und bald darauf wurden Clubs gegründet. Der berühmteste war der "Montreal Toboggan Club" - gegründet 1870. Dieser Club baute jeden Winter auf der südwestlichen Seite des Mount Royal eine mehrspurige Eisbahn. 
Der "Run" begann auf einem kleinen künstlichen Hügel. Die ersten 30 Meter ging es abwärts, davon waren die ersten 20 Meter sehr steil. Nachher lief die Bahn noch weitere 365 Meter in die Ebene hinaus. 

 

Eine Bahn war 60 bis 90 cm breit und wurde mit Brettern oder Schneewändchen von den übrigen Spuren getrennt. Nach dem ersten Schneefall wurden die Bahnen mit Schnee aufgefüllt und mit Wasser bespritzt. Während der kalten Nächte entstand so eine Eisbahn.

 

Den Hausfrauen und Postlern war der Schlitten ein geeignetes Transportmittel, um in den tief verschneiten Berggebieten ihre Einkäufe nach Hause zu bringen bzw. die Post auszutragen.

 

St. Moritz und Davos waren schon Mitte des 19. Jahrhunderts bekannte Höhenkurorte. Viele Tuberkulosekranke, darunter auch viele Engländer, kamen in die Berge, wo sie ihre Krankheit kurieren ließen. Sowohl St. Moritz wie Davos hatten im Sommer viele Gäste. Aber mit dem Einzug des Winters leerten sich auch die Kurorte.

Einer Legende zufolge soll Johannes Badrutt, der Besitzer des Kulm-Hotels in St. Moritz im Jahre 1864 mit ein paar Engländern gewettet haben, dass es im Engadin im Winter genauso viel Sonne habe, wie im Sommer und dass es so warm sei, dass sie weder Hut noch Jacke anziehen brauchten. Die Engländer nahmen die Wette an und verbrachten den Winter in St. Moritz. Und das Wetter war tatsächlich so, wie es ihnen J. Badrutt versprochen hatte. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Touristen in die Bündener Berge, unter ihnen viele Engländer. Aber den sportlich veranlagten Inselbewohnern wurde es bald zu langweilig, den ganzen Tag nur an der Sonne zu sitzen.

 

John Adington Symonds, ein begeisterter Schlittenfahrer, wurde von seinem Arzt zur Kur nach Davos geschickt. Er sah die Begeisterung bei Fahrern und Zuschauern. Daraufhin gründete er im Jahre 1883 den "Davos Toboggan Club". Sie borgten sich von den Einheimischen deren Schlitten aus und vergnügten sich damit. In Davos hatte man bereits zwei Schlittenwege. Der eine war beim Hotel Belvedere, der andere (1,6 km lang) beim Buol-Hotel. Der Andrang war bald so groß, dass sich einige Leute nach neuen Möglichkeiten umsahen. Sie fuhren bald die Poststraße nach Klosters und die Clavadel-Straße hinunter.

 

Am 12. Februar 1883 veranstaltete Symonds das erste "International" auf der Poststraße von Davos nach Klosters. Dies war auch das erste offizielle Schlittenrennen der Welt. 21 Fahrer aus fünf Nationen starteten im Einminutenabstand. Neuschnee machte das Rennen leicht und sehr langsam. Am schnellsten waren damals der Australier George Robertson und der Postler von Klosters, Peter Minsch, die auf die Sekunde gleich schnell waren. Sie brauchten für die ca. 3,2 km lange Strecke neun Minuten und 15 Sekunden. Der große Erfolg führte dazu, dass Symonds am 7. Februar 1884 das zweite "International" von Davos durchführte. Wieder gewann P. Minsch, diesmal aber alleine und in einer wesentlich schnelleren Zeit. Er brauchte nur noch 6 Minuten und 35 Sekunden für die zwei Meilen. 

 

St. Moritz im vorigen Jahrhundert - einer der ältesten europäischen Wintersport- und Kurorte, 1850 m über dem Meeresspiegel. Ferienparadies im Schweizer Engadin. Die meisten Touristen kamen aus gesundheitlichen Gründen hierher. Die klare Bergluft war gut gegen Tuberkulose. Die Ärzte empfahlen Wandern und - für Unternehmungslustige - leichte Fahrten mit einem Holzrodelschlitten. Es gab allerdings schon damals einige Kühne, denen einfaches Rodeln nicht genügte.

 

Erst 1887 wagte der erste Fahrer die Abfahrt liegend mit dem Kopf voran. Cresta-Skeleton war somit geboren. Frauen und Männer benutzten dieselbe Piste. Miss Ursula Weble gewann das "Grand National" für Damen insgesamt neun Mal. Die ersten drei Siege errang sie in sitzender Position, danach liegend sechs weitere. Sie war damit die erfolgreichste Cresta-Fahrerin aller Zeiten.

 

In späteren Jahren des vorigen Jahrhunderts lieferten sich die kräftigeren Kurgäste, Damen wie Herren, auf der Dorfrodelbahn regelrechte Wettrennen; solo, zu zweit oder zu dritt. 1884 beschloss eine Gruppe von Briten unter Führung eines Major Bulpett, das es nun an der Zeit wäre, eine richtige Eisrennbahn zu bauen. Man wählte dafür einen steilen Talhang, oberhalb des kleinen Örtchens Cresta. Und so begann im Dezember 1884 der Bau des "Cresta-Run". Am 16. Februar 1885 wurde das erste Cresta-Rennen, das "Grand National", gefahren. Zunächst fuhr man aufrecht sitzend auf dem Schlitten.

 

Dem Skeletonfahren auf dem Cresta-Run in St. Moritz haftet bis heute ein Hauch von Exklusivität an. Aus diesem Grunde suchten Sportbegeisterte nach neuen Möglichkeiten, diesen Sport anderenorts zu betreiben. Aus dem Cresta-Skeleton entwickelten sich neue Zweige: der Bobsport und das heute bekannte Bobbahn-Skeleton. Beide Sportarten sind heute professionelle Wettkampfsportarten, die auf allen Bobbahnen der Welt betrieben werden.

 

Doch 1929 wurden Frauen nach heftigen Debatten aus dem Cresta-Club ausgeschlossen. Es hieß, Cresta-Fahren könne Brustkrebs hervorrufen. Auch heute noch ist den Frauen Cresta-Fahren verwehrt. Cresta ist ausschließlich eine Männerdomäne und der Club ist auch nicht dazu geneigt, seine Statuten zu ändern, obwohl es genügend Anwärterinnen gäbe.
 
 
In St. Moritz erfand man um 1888 den Bob, der zunächst aus zwei hintereinander liegenden Skeletonschlitten bestand, die mit einer Stange aneinander befestigt wurden. Um diesen großen Schlitten lenken zu können, kam eine Lenkstange mit Lenkrad dazu.

Anfangs fuhren fünf Personen auf einem Bob. Die letzte Person war meistens eine Dame. 
Der damalige Bobsport erfreute sich nicht nur bei den Herren sondern, wie man sieht, auch bei den Damen größter Beliebtheit und wurde von ihnen auch mit Begeisterung ausgeführt.

 

Bald wurden auch in dieser Sportart Wettkämpfe ausgeführt wie z.B. in Arosa, auf der vier Kilometer langen Poststraße. Bereits Anfang dieses Jahrhunderts wurden die bestehenden Naturbahnen von Skeleton- und Bobbegeisterten befahren. 1905 gab es das erste Skeleton-Rennen auf der Naturbahn am Semmering in Österreich. Bis 1934 gab es in Maria Zell, Igls, Kitzbühel, Kössen und Kufstein Wettbewerbe auf Eisbahnen. In den Jahren 1909 bis 1912 fuhr man Rennen auch in Friedrichsroda, Oberhof, Schierke im Riesengebirge, Gossensaß und Sterzing.

 

Die erste Deutsche Meisterschaft im Naturbahn-Skeleton fand 1912 auf der 500 Meter langen Natureisbahn in Schierke (Harz) statt. Ab diesen Zeitpunkt erfuhr dieser Sport einen großen Aufschwung in Deutschland. 1913 berichtet man von Skeleton-Rennen in Riga, Ungarn und der hohen Tatra. Davos war 1914 der erste Austragungsort der Europameisterschaft.

  

Deutsche Meisterschaften wurden bis 1938 abgehalten. Danach verschwand Naturbahn-Skeleton fast gänzlich von der Bildfläche. Ausschlaggebend war die damalige politische unruhige Lage. Zudem kamen schneearme Winter dazu. Erst viel später, im Jahre 1967, fanden sich einige Bayern zusammen und erweckten diesen Sport wieder zum Leben. Am Königssee und in Garmisch fing man allmählich an, sich mit diesem Sport wieder vertraut zu machen.

 

1969 wurde die erste Kunsteisbahn am Königssee fertiggestellt, die ursprünglich für die Rodler und später für Bobfahrer gebaut wurde. So wandelte sich der Name Naturbahn-Skeleton zu Bobbahn-Skeleton, der bis heute beibehalten wird.

 

1928 wurden die olympischen Winterspiele zum ersten Mal in St. Moritz ausgetragen und zum ersten Mal war Cresta unter der Bezeichnung "Skeleton" Olympische Disziplin.

 

Sechs Nationen traten gegeneinander an. Auf einer Piste, die durch plötzliches Tauwetter recht langsam geworden war. Zwei Amerikaner, die Brüder Jenison und Jack Heaton gewannen Gold und Silber. Der einzige Britische Wettkämpfer und hohe Favorit, Lord Northesk, musste sich deprimieret mit der Bronzemedaille zufrieden geben.

 

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren erlebte St. Moritz seine Blütezeit. Die Reichen und Berühmten kamen aus allen Teilen der Welt, sogar aus Hollywood. Diese füllten nicht nur die Hotels, auch die Cresta-Bahn erlebte eine amerikanische Invasion. Zuerst die Brüder Heaton, dann ein junger New Yorker, Billy Fiske, der einer der besten Cresta-Fahrer der Welt zu werden versprach. 1938 gewann er nahezu alle Cresta-Rennen, einschließlich des "Grand National", bei dem er die Abfahrtszeit auf 56.7 Sekunden verbesserte. Ein Rekord, der 17 Jahre lang ungebrochen blieb.

 

Während des Zweiten Weltkrieges mussten die in St. Moritz vorgesehenen Olympischen Winterspiele abgesagt werden. Manch einer fragte sich, ob es je wieder einen Wettstreit geben würde. Nach der Zwangspause fanden 1948 die ersten olympischen Winterspiele wieder in St. Moritz statt, somit auch der zweite olympische Wettstreit auf der Cresta-Bahn. Der Brite John Crammont galt als hoher Favorit. Doch wieder gab es nur Bronze für Großbritannien. Der Amerikaner Jack Heaton, Silbermedaillengewinner von 1928, belegte auch diesmal wieder den zweiten Platz.

 

Lord Brabazon ist es zu verdanken, dass Cresta in den mageren Nachkriegsjahren nicht zugrunde ging. Der begeisterte Sportler und ehemaliger Minister im Kabinett Winston Churchill´s kämpfte mit größter Entschlossenheit für den Fortbestand des Cresta-Clubs in St. Moritz.Nino Bibbia, ein 19-jähriger Italiener aus St. Moritz, der erst 1946 mit dem Crestafahren begonnen hatte, gewann die Goldmedaille. Für Bibbia war dies der Beginn einer Karriere, die bis in die 80er Jahre andauerte. Er wurde zum erfolgreichsten Cresta-Fahrer der 50er und 60er Jahre. 1973, genau 25 Jahre nach seinem Olympiasieg gewann er zum letzten Mal das "Grand National". In fast 40 Jahren hat Nino Bibbio auf der Cresta-Bahn mehr Pokale gewonnen, als jeder andere in der Geschichte des Clubs.

 

1969 erschien ein neuer Star auf dem Cresta-Run. Ein Schweizer Kunsthändler aus Zürich. Bruno Bischofberger. Ein befreundeter Wissenschaftler hatte ihm geraten, Versuche im Windkanal durchzuführen. Dabei solle er einen engen Taucheranzug tragen, um den Luftwiderstand noch weiter zu verringern, möglichst mit nach hinten gestreckten, fest am Körper liegenden Armen fahren. Dieser Stil ging bald als Kamikaze-Haltung in den Cresta-Sport ein. Ein waghalsig neuer Stil, der inzwischen zum Repertoire gehört. Bischofberger legte damit den Grundstein für die sensationell schnellen Zeiten der Cresta-Fahrer von heute.

 

Form und Verlauf des Eiskanals haben sich in den letzten hundert Jahren kaum geändert. Noch immer beträgt das Gefälle 152 m auf einer Strecke von etwa 1200 Meter zwischen St. Moritz und Celerina. Unmittelbar vor dem großen Rennen, dem alljährlich im Februar stattfindenden "Grand National" wird die Strecke sorgfältig mit Wasser besprüht und ausgebessert.

 

An verschiedenen Stellen schon, z.B. in der gefährlichsten Kurve der Cresta-Bahn, der Shuttlecock, hat es schon hunderte von Knochenbrüchen gegeben und auch tödliche Unfälle. Hier entscheidet sich, wer seinen Schlitten beherrscht und wer nicht. Mut und Muskelkraft gehören dazu. Im Eiskanal wird man trotz Stahlschutz über Handrücken, Lederbandagen an Ellbogen und Knien weichgeklopft, sofern man nicht lange Jahre Erfahrung hat und Profi ist.

 

1985 feierte man 100-jähriges Jubiläum. Die Erfinder des rasanten Schlittenvergnügens stifteten St. Moritz ein Cresta-Denkmal, das nun unterhalb des schiefen Turms, dem Wahrzeichen des Ortes, steht. Von einem bayerischen Bobfahrer stammte die Idee, mit einem Skeleton die vereisten Wege hinunterzufahren. Er war der erste, der diesen Sport 1969 ins Leben rief. Er gründete sogleich in München den ersten Skeleton-Club, der bis heute noch existiert. 

 

Max Probst, ehemaliger Bobfahrer von Schwarz-Gelb München, wollte mal was ganz anderes ausprobieren. In St. Moritz sah er die Crestafahrer mit ihren Schlitten. Das muss ihn so begeistert haben, dass er sich vornahm, selbst einen Schlitten zu bauen und auf den Naturbahnen Bayerns damit zu fahren. Ob er sich nun einen Cresta-Schlitten auslieh oder sich einen Skeleton-Schlitten selbst baute, ist nicht bekannt. Aber man weiß, dass er seine erste Fahrt auf einem Skeletonschlitten auf der Natureisbahn in Garmisch erprobte. Er schaarte um sich einige Bekannte und Freunde, die mit ihm diesen Sport ausübten.Vorerst begnügte man sich noch auf den vorhandenen Naturbahnen. Als 1971 die erste Kunsteisbahn der Welt, am Königssee, fertiggestellt wurde, war das die Geburtsstunde des Bobbahn-Skeleton. In diesem Winter wurde sogleich die erste Meisterschaft im Bobbahn-Skeleton ausgefahren.

 

Max Probst gründete im Jahre 1969 den Bayerischen Skeleton-Club München, der 1971 in das Vereinsregister eingetragen wurde. Heute zählen etwa 50 Mitglieder dazu, davon 25 aktive Fahrer. Eingetragene Gründungsmitglieder waren mit Max Probst (+) Senator Hans Riedmaier, einem ganz bedeutenden Förderer und dem ehemaliger Präsident des BSC (+), Heinrich Platzer und Johann Luxenburger. Seit 1969 veranstaltete der BSC Jahr für Jahr nationale und internationale Rennen und verhalf dem Bobbahn-Skeletonsport zu seiner Popularität. Der BSC München zählt heute zu den größten Skeletonclubs weltweit.

 

1976 entstand aus der Skeletonsektion des Zürcher Bobclubs der Skeleton-Club Zürich. Im Verlauf der Jahre sind weitere Clubs gegründet worden.Leider wurde die Natureisbahn in Garmisch nach 1969 nie mehr aufgebaut, also suchte man sich eine Alternative. Diese bot sich an. Die damalige Natureisbahn am Königssee hatte ideale Verhältnisse. Ursprünglich seit 1959 von den Rodlern befahren, 1962 für die Zweier-Bobs ausgebaut, wurde sie 1971 als erste Kunsteisbahn der Welt fertiggestellt.

  

Mitleidvoll belächelt wurden die Skeleton-Exoten bereits im Februar 1968, zur ersten Deutschen Meisterschaft am Königssee. 

 

Mit dem Bau der Olympia-Kunsteisbahn in Igls/Innsbruck im Jahr 1974 weitete sich der Rennbetrieb weiter aus. Am dortigen Eröffnungsrennen nahmen bereits 55 Aktive aus Deutschland und Österreich teil. Die Schweiz war damals noch nicht vertreten.

 

Im Winter 1977 testeten Schweizer und Österreicher die Bobbahn von St. Moritz und erklärten sie für Skeleton-tauglich. Rennen durften leider noch nicht ausgetragen werden. Erst im Winter 1982 wurde die erste Weltmeisterschaft im Bobbahn-Skeleton gefahren.

 

Die erste Europameisterschaft seit 1914 wurde 1981 in Igls/Innsbruck abgehalten.

 

Seit den Neuanfängen nach dem Krieg, im Jahre 1971, sind neben Österreich und der Schweiz viele Fahrer aus europäischen und außereuropäischen Ländern dazugekommen wie Italien, England, Frankreich, Spanien, Tschechien, Lettland, Norwegen, USA, Australien, Chile, Mexiko, Südafrika, Japan usw. In der Zwischenzeit wurden auch einige Kunsteisbahnen gebaut, auf dem dieser Sport auf der ganzen Welt ausgeübt werden kann.

 

Die Skeleton-Profis wollten seit Jahren nur das eine: als neue Disziplin zu den olympische Spielen aufgenommen zu werden. Seit vielen Jahren hieß es, dass Bobbahn-Skeleton olympisch werden soll. Einige Kriterien mussten erfüllt werden, wie z.B. die Teilnahme von über 25 Nationen, sowie die Teilnahme weiblicher Skeletonfahrer. Diese Bedingungen waren schnell erfüllt. Doch sowohl in Albertville als auch in Lillehammer und Nagano wurden die ehrgeizigen Sportler hingehalten. Dann, bei der Sitzung des lOC am 02. Oktober 1999, war es endlich soweit: Skeleton ist olympisch!

 

Die lange Durststrecke war nun vorbei. Skeleton-Nationen auf der ganzen Welt bereiteten sich auf den Februar 2002 vor, auf die seit 1948 erste Olympiateilnahme in Salt Lake City. Die F.I.B.T. war sofort eifrig dabei, dass Skeleton-Reglement auf olympische Verhältnisse umzuschreiben. Es wurden einige Änderungen an Schlitten und Ausrüstung beschlossen, was für die Materialspezialisten der einzelnen Verbände eine große Aufgabe darstellte. Doch wer so lange auf das Ereignisse "Olympia" wartet, hat mit ein paar Änderungen keine Probleme. Lange vor den Spielen waren neue Schlitten fertig und das Material ausreichend getestet.

 

Olympische Winterspiele 2006 in TurinMit der Aufnahme bei den olympischen Spielen erschienen noch weitere, teils für einen Wintersport exotische Nationen wie Griechenland, American Samoa, u.a. Wenn für die teils als Einzelkämpfer starteten Sportler auch niemals eine Medaillenchance ersichtlich war, so zählte vor allem und fast ausschließlich der olympische Gedanke, dabei gewesen zu sein. 

 

Als im November 2005 die olympische Fackel im antiken Olympia entzündet wurde begann der Fackellauf für mehr als 10.000 Athleten und Prominente diese führten die Fackel nicht nur durch Griechenland und Italien, sondern auch durch San Marino, Slowenien, Österreich, die Schweiz und Frankreich. Bis zur Entzündung des olympischen Feuers legte die Flamme über 11.300 Kilometer zurück. Entzündet wurde das Olympische Feuer während der Eröffnungszeremonie am 10. Februar 2006 durch die italienische Skilangläuferin Stefania Belmondo. Verfolgt wurde die Veranstaltung von mehr als 35.000 Zuschauern im Olympiastadion und ungefähr zwei Milliarden Menschen im Fernsehen. Nach Cortina d' Ampezzo trifft sich die Jugend der Welt erneut in Italien zu Olympischen Spielen. In sieben Sportarten (Biathlon, Bobsport, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Freestyle, Rennrodeln, Shorttrack, Skeleton, Ski Alpin, Ski Nordisch und Snowboard) sowie in 15 verschiedenen Disziplinen an sieben Wettkampfstätten kämpfen 2.500 Sportler um die begehrten Medaillen. Die XX. Olympischen Winterspiele finden jedoch nicht allein in Turin statt, sondern vor allem im Um- und Hinterland der oberitalienischen Metropole. Im rund 90 Kilometer entfernten Cesana Torinese auf 1354 Meter liegt die Kunsteisbahn für die Wettbewerbe im Bobsport, Rennrodeln und Skeleton. Die Bahn ist 1435 Meter lang, besitzt 19 Kurven und überwindet eine Höhendifferenz von 114 Metern. Während der Wettkämpfe wurden dort Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h erreicht. Hier wurden die Wettbewerbe im Skeleton für die Damen und Herren ausgetragen. Bei den Herren gingen 27 Fahrer aus 19 Nationen an den Start. Der Kanadier Duff Gibson wurde mit einer Gesamtzeit von 1:55,88 Minuten aus zwei Läufen Olympiasieger. Mit 39 Jahren ist er der älteste Sieger einer Individualsportart bei olympischen Winterspielen. Die Silbermedaille gewann sein Landsmann Jeff Pain, Dritter wurde der Schweizer Gregor Stähli.

 

Die deutschen Starter Sebastian Haupt und Frank Rommel belegten am Ende Platz neun beziehungsweise 24. Der Österreicher Martin Rettl, der Weltmeister von 2001 und Zweitplatzierte bei den Winterspielen 2002, konnte nur Platz 13 erreichen. Bei den Damen gingen 15 Fahrerinnen aus zwölf Nationen an den Start. Die Schweizerin Maya Pedersen-Bieri gewann deutlich vor allen anderen die Goldmedaille. Sie erzielte in beiden Läufen Bestzeit, fuhr als einzige Fahrerin einen Lauf unter einer Minute, stellte einen neuen Bahnrekord auf und erzielte mit 123,1 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord. Ihre Gesamtzeit lag bei 1:59,83 Minuten. Auf den weiteren Plätzen folgten die Britin Shelley Rudman und die Kanadierin Mellisa Hollingsworth-Richards. Die Deutsche Diana Sartor verpasste den Bronzerang nur um 0,28 Sekunden und belegte Platz vier. Die zweite deutsche Starterin Anja Huber kam am Ende auf Platz acht.

 

Die erfolgreichste Nation war Deutschland mit elf Gold, zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Österreich Nach 17 tollen Tagen hat sich Turin mit einer furiosen Schlussfeier von den XX. Olympischen Winterspielen verabschiedet. Vor den Augen von mehr als 35.000 Zuschauern im Olympiastadion und einer halben Milliarde Menschen am Fernseher erlosch um 22.07 Uhr das Olympische Feuer. Wenige Minuten zuvor hat Jacques Rogge die Jugend dieser Welt aufgerufen sich in vier Jahren wieder zu den Olympischen Wintersspielen zu versammeln. Diese finden 2010 in Vancouver statt.

 

Medaillen-Double für Skeleton-Girls in Vancouver  

 

Silber und Bronze bei der Olympiade in Vancouver 2010: Kerstin Szymkowiak und Anke Huber haben die ersten deutschen Olympia-Medaillen im Skeleton beschert. Nur die Britin Amy Williams war schneller - doch ihr Sieg war umstritten.

Mit einer innigen Umarmung feierten Kerstin Szymkowiak und Anke Huber ihren doppelten Medaillen-Coup und genossen den "Aufstieg" zum schnellsten Frauen-Zimmer im Skeleton-Zirkus in vollen Zügen. "Für diesen Moment habe ich lange und hart gearbeitet. Ich habe immer gewusst: wenn ich vier konstante Läufe runterbringe, dann kann es klappen", jubelte Silber-Fahrerin Szymkowiak in Whistler.

 

Auch Zimmerkollegin Huber war platt: "Die Gefühle sind mit mir Achterbahn gefahren. Nach dem dritten Lauf habe ich schon gar nicht mehr dran geglaubt. Jetzt bin ich sprachlos und überglücklich." Nach den ersten beiden Olympia-Medaillen für die deutschen Skeletonis konnte auch der durchwachsene Auftritt der Männer die Freude im schwarz-rot-goldenen Lager nicht trüben.

 

Beutezug der deutschen Kufen-Asse

 

"Das ist absolut irre! Ganz großes Kompliment an die Mädels. Das konnte niemand erwarten", meinte Präsident Andreas Trautvetter vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) nach dem Auftritt seiner Frauen. Mit den ersten Skeleton-Medaillen überhaupt bei Winterspielen setzten Szymkowiak und Huber den Beutezug der deutschen Kufen-Asse auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler fort. Zuvor hatten schon die Rodler fünf Medaillen geholt - zwei davon in Gold.

 

Nur die Britin Amy Williams war in der anspruchsvollen Eisrinne zu schnell für die beiden Deutschen. "Amy war hier einfach unschlagbar", lobte Szymkowiak die Olympiasiegerin. "Sie hat verdient gewonnen." Ganz sicher sein konnte sich Williams aber erst rund fünf Stunden später. Dann wies der Weltverband FIBT den Protest wegen eines angeblichen Regelverstoßes zurück. Kanada und die USA hatten noch einmal den Helm der Britin beanstandet, der aus ihrer Sicht unerlaubte Windabweiser hatte. Die FIBT konnte allerdings keinen Regelverstoß erkennen und lehnte den Einspruch ab.

 

Szymkowiak hatte den Grundstein für Silber am ersten Tag mit zwei soliden Läufen gelegt. Auch vor der ungewohnten Nacht hatte die 32- Jährige keine Angst: "Meine Mama hat immer gesagt: Wenn es ins Bett geht, wird geschlafen. Und ich kann immer gut schlafen."

 

Frauen hängen Männer ab

 

"Meine Fahrten waren solide, aber nicht das, was ich wirklich kann. Aber ohne Fehler ist hier keine runtergekommen", klagte Huber zur Halbzeit. Im dritten Lauf machte die 26-Jährige erneut zu viele Fehler und verabschiedete sich schon von allen Medaillenträumen. "Ich habe vor dem letzten Lauf nicht mehr damit gerechnet, dass ich als Fünfte noch in Reichweite der Medaillen liege. Deshalb wollte ich im vierten Lauf einfach nur Spaß haben." Gesagt, getan: Mit einem fulminanten Ritt fuhr die Berchtesgadenerin noch zu Bronze. "Hast Du auch mal an meine Nerven gedacht?", fragte Bundestrainer Jens Müller - und herzte Huber. Marion Trott aus Oberhof wurde Achte.

 

Anders als bei den Frauen konnte das deutsche Männer-Trio beim Sieg des Kanadiers Jon Montgomery nie ins Medaillenrennen eingreifen. Frank Rommel landete am Ende aber einen Achtungserfolg mit dem siebten Platz. Sandro Stielicke wurde Zehnter, Mirsad Halilovic fuhr auf den 13. Rang. Mit Silber musste sich der im letzten Moment abgefangene Lette Martins Dukurs begnügen. Bronze ging an den Russen Alexander Tretjakow.